Frau mit Laptop vor einer abstrakten digitalen Oberfläche mit Dokumenten, Fragezeichen und Navigationssymbolen in Blau- und Violetttönen.

Veröffentlicht 23. Juli 2026

von Christian Berens

CR Benchmark 2026: Vollständig ist nicht genug

Viele Nachhaltigkeitsseiten großer Unternehmen wirken 2026 auf den ersten Blick gut sortiert. Ziele, Berichte, Kennzahlen und Richtlinien sind da – sauber abgelegt, schnell auffindbar und formal vollständig. Genau in dieser Ordnung liegt aber auch das Problem: Wer Orientierung sucht, findet oft eher ein Archiv als eine geführte Kommunikation.

Der CR Benchmark 2026 von NetFed macht diesen Unterschied sichtbar. Die Studie zeigt, dass Vollständigkeit inzwischen weitgehend erreicht ist. Entscheidend ist jetzt, ob aus den Inhalten ein klarer Zusammenhang entsteht, den man ohne Sucharbeit versteht.

Das Archiv ist da

Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich viel bewegt. Die Basisbausteine der Nachhaltigkeitskommunikation sind heute bei nahezu allen großen Unternehmen vorhanden: 94 % veröffentlichen einen Nachhaltigkeitsbericht, 76 % integrieren ihn in den Geschäftsbericht, und 32 % verankern Nachhaltigkeit sichtbar in der Konzernstrategie. Das ist ein echter Fortschritt, weil frühere Lücken deutlich kleiner geworden sind.

Das Problem liegt inzwischen an anderer Stelle. Viele CR-Seiten wirken wie ein gut gefülltes Archiv: vollständig, korrekt und prüfbar, aber selten klar geführt. Wer sich orientieren will, muss sich die Zusammenhänge oft selbst zusammensuchen. Genau das beschreibt die Studie von NetFed mit dem Leitmotiv „Alles abgelegt, nichts erzählt“.

Die Linie fehlt

Besonders deutlich wird das bei der strategischen Einordnung. Nur knapp ein Drittel der Unternehmen macht sichtbar, welche Rolle Nachhaltigkeit für Konzernstrategie und Geschäftsmodell tatsächlich spielt. Damit stehen Einzelthemen nebeneinander, statt zu einem verständlichen Gesamtbild zu werden.

Genau hier trennt sich Pflicht von Wirkung. Eine Liste erfüllter Anforderungen schafft noch kein Vertrauen. Glaubwürdig wird CR-Kommunikation erst dann, wenn Ziele, Verantwortung, Führung und Geschäftsmodell erkennbar zusammengehören.

Vom Bericht zur Kommunikation

Auch bei der Content-Logik zeigt sich ein klarer Trend. Berichte, Zeitstempel und regulatorische Bezüge sind stark ausgebaut, während redaktionelle Magazine, aktuelle Beiträge und nutzerführende Einstiege an Bedeutung verlieren. Nur 8 % betreiben noch ein CR-Magazin oder einen CR-Blog. Wer gezielt einen Nachweis sucht, wird fündig. Wer verstehen will, bekommt oft zu wenig Hilfe.

Das ist die eigentliche Verschiebung: Dokumentation verdrängt Vermittlung. Unternehmen erfüllen damit zwar Anforderungen, erreichen aber häufig nur noch diejenigen, die ohnehin schon auf der Suche sind. Erfolgreiche CR-Kommunikation 2026 braucht deshalb beides: belastbare Nachweise und geführte Zugänge.

Zahlen brauchen Kontext

Ein drittes Muster zeigt sich bei den Kennzahlen. Die Daten sind vorhanden und oft gut auffindbar, aber selten so aufbereitet, dass daraus eine Entwicklung erkennbar wird. Suchfunktionen, Filter, interaktive Darstellungen und Mehrjahresvergleiche bleiben schwach.

Damit wird aus einer Zahl noch keine Geschichte. Stakeholder wollen nicht nur wissen, wo ein Unternehmen heute steht, sondern auch, wie es dorthin gekommen ist und wohin es will. Genau hier entscheidet digitale Nutzbarkeit über Verständlichkeit.

KI wird zum CR-Thema

Neu und besonders relevant ist das Thema KI. Künstliche Intelligenz verändert Prozesse, Datenarbeit und Content-Produktion – und wird selbst zu einem Verantwortungsthema, über das Unternehmen Auskunft geben müssen. Auf vielen CR-Seiten ist davon noch wenig zu sehen. Nur 24 % zeigen Leitlinien zum Umgang mit KI.

KI-Leitlinien, Transparenz zum KI-Einsatz und digitale Ethik bleiben deutlich schwächer ausgeprägt als klassische Nachhaltigkeitsthemen. Für CR-Verantwortliche heißt das: Wer heute strategisch kommuniziert, muss künftig auch zeigen, wie das Unternehmen mit digitalen Technologien verantwortungsvoll umgeht.

Was starke Seiten anders machen

Die guten Beispiele im Benchmark zeigen, wie es besser geht. Deutsche Telekom führt ESG-Themen, Bericht, News und Erklärformate an einem Ort zusammen und verknüpft Nachhaltigkeit eng mit der digitalen Rolle des Unternehmens. Deutsche Bahn erklärt Nachhaltigkeit konsequent aus Mobilität und gesellschaftlicher Rolle, Merck ordnet sie aus Wissenschaft und Technologie heraus ein.

Das gemeinsame Prinzip ist einfach: Nicht mehr Themen, sondern bessere Verbindung. Nicht nur Berichte, sondern Einstiege. Nicht nur Zahlen, sondern Kontext.

Was jetzt zählt

2025 war das Jahr der Stille. 2026 ist das Jahr des vollständigen Archivs. Die Pflicht ist erfüllt, jetzt entscheidet sich, ob Unternehmen aus ihren Inhalten verständliche, einordnende und glaubwürdige Kommunikation machen.

Für uns ist genau das der Punkt: Gute CR-Kommunikation ist nicht nur vollständig, sondern anschlussfähig. Sie hilft Menschen, Inhalte einzuordnen, und macht aus Nachweisen eine erkennbare Haltung.


Unser Ansatz

Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihre CR-Kommunikation von der reinen Dokumentation hin zu einer geführten, strategisch anschlussfähigen Kommunikation weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt steht eine Struktur, die Nachweise, Kennzahlen und Einordnung so verbindet, dass interne und externe Stakeholder Inhalte schneller verstehen und besser bewerten können.


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Christian Berens freut sich über deine Nachricht: christian.berens@net-federation.de

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