Microsoft Power Platform

Veröffentlicht 27. Januar 2022

von Christian Seedig

Was ist die Microsoft Power Platform?

Vorweg: Hast du schon mal etwas von Low-Code gehört? Hier geht es ums Konfigurieren anstatt ums Programmieren. Ganze Anwendungen werden durch einfaches Zusammenklicken vorgefertigter Softwarebausteine erzeugt. Hierbei sind keine langen Entwicklungsphasen durch Softwareentwickler:innen nötig. Stattdessen kann man ohne explizite Programmierkenntnisse tätig werden – natürlich nur mit einer entsprechenden Plattform, wie der Microsoft Power Platform.

Aber was genau bedeutet „Low-Code“?

Schon in den frühen 1990-iger Jahren tauchten sogenannte „Rapid Application Developments“ auf. Dabei handelte es sich um Programmierumgebungen, mit denen zuerst die grafische Oberfläche einer Anwendung erzeugt und danach eine entsprechende Geschäftslogik implementiert wurde.

Dabei ist zu beachten, dass „low“ nicht die Qualität des Codes meint, sondern auf die Code-Erstellung zielt. Denn der größte Anteil von Code wird bei der Low-Code-Entwicklung durch Konfiguration mit Hilfe einer Low-Code-Plattform erzeugt. Der Anteil manueller Code-Entwicklung ist im Vergleich „gering“, also „low“.

Und was ist nun die Microsoft Power Platform?

Die Microsoft Power Platform ist Teil der Microsoft 365-Produktfamilie und einer der fünf Technologie-Schwerpunkte. Der einfach zu bedienende Baukasten ermöglicht es Mitarbeitenden in Unternehmen, eigene Apps und automatisierte Workflows zu entwickeln – ganz ohne Programmiererfahrungen. Vorteil: Arbeitsabläufe können so erheblich erleichtert werden. Außerdem bietet das Online-Tool Möglichkeiten zur Kombination und Vernetzung unterschiedlicher Systeme, um professionelle End-to-End-Lösungen zu entwickeln.

Die Microsoft Power Platform umfasst dabei vier Dienste: Power Automate, Power Apps, Power BI und Power Virtual Agents.

  • Power Automate: Prozessautomatisierung in wenigen Minuten. Die ideale Plattform, um Geschäftsprozesse (Urlaubsanträge, Freigabeprozesse, etc.) in kürzester Zeit zu automatisieren.
  • Power Apps: effiziente Unterstützung im Arbeitsalltag. Power Apps ermöglichen die Integration und Verteilung von Daten. Sie bieten Lösungen für aufgaben- und rollenspezifische Szenarien, wie Inspektionen, Unterstützung im Außendienst etc.
  • Power BI: immer die richtigen Kennzahlen. Power BI steht für Business Intelligence. Diese Anwendung bietet die Möglichkeit, zahlreiche Informationen und Kennzahlen eines Unternehmens zusammenzutragen, aufzubereiten und zielgruppengerecht zur Verfügung zu stellen.
  • Power Virtual Agents: intelligente Antworten auf häufige Fragen. Beim Power Virtual Agent handelt es sich um einen Chatbot, der Mitarbeitenden auf kurzem Wege Antworten mit Hilfe von künstlicher Intelligenz liefert.

Praxisbeispiele

Welche Vorteile liefert das nun in der Praxis? Zunächst einmal entsteht durch die reine Konfiguration von vorgefertigten Aktivitäten immer etwas Reproduzierbares. Das bedeutet, bestehende Entwicklungen lassen sich sehr häufig mit geringem Aufwand für artverwandte Themen wiederverwenden. Ein Beispiel hierzu:

Für einen Kunden galt es, eine App zu entwickeln, in der die Belegschaft sich für einzelne Termine innerhalb einer vorab terminierten Schulungskampagne eintragen kann. Für jeden Termin gibt es nur eine begrenzte Teilnehmerzahl. Also mussten Termine als „ausgebucht“ gekennzeichnet werden, wenn die Menge der Restplätze gleich 0 ist. Die Datenbasis dahinter ist denkbar einfach: Thema, Datum, Startzeit, Endzeit, Teilnehmerzahl.

Anhand dieser Datenbasis konnte ein Formular gefüllt werden, in dem die Termine angezeigt werden und buchbar sind, sofern noch Plätze vorhanden sind. Die Buchungen wurden ebenfalls in einer Liste gespeichert und Funktionen eingerichtet, die standardisierte E-Mails versenden. Über die Liste der Buchungen konnten die Mitarbeitenden wiederum Teilnehmerlisten erzeugen und Informationen für die Ausstellung der Teilnahmebescheinigungen entnehmen.

Auch in der team neusta-Unternehmensgruppe wird die Microsoft Power Platform bereits genutzt. Die Idee war, eine App zu erstellen, in der die Mitarbeitenden sich Termine für die Grippeschutzimpfung buchen können.

Bei der Besprechung der Anforderungen wurde schnell klar, dass diese nahezu deckungsgleich mit denen der Buchungs-App für Schulungen sind. Die Termine waren alle am gleichen Datum. Start und Endzeit trennten nur drei Minuten und die maximale Teilnehmerzahl für jeden Termin war 1. Für das Projekt musste nur die bestehende App installiert und die Datenbasis entsprechend anders gepflegt werden. Die Oberfläche wurde leicht modifiziert und nach nur wenigen Stunden war die Basis-Funktion fertiggestellt und nutzbar.

Die Low-Code-Entwicklung erlaubt es uns, einfache Prozesse schnell und funktional umzusetzen und für ähnlich gelagerte Fälle mit sehr geringem Aufwand wiederzuverwenden.

Erfahrene Softwareentwickler:innen werden nun vermutlich äußern: „Sowas hätte ich auch in der Zeit gebaut“. Das ist sicherlich auch korrekt. Der spannende Teil ist, dass durch Low-Code-Entwicklung nahezu jede:r, der:die auch Pivot-Tabellen in Excel konfigurieren kann, in der Lage ist, solche Apps zu entwickeln. Und dieser Aspekt ist ein wirklicher Mehrwert, wenn es darum geht, kleine Prozesse zu digitalisieren oder bestenfalls zu automatisieren.


Dein Experte: Christian Seedig arbeitet seit 2018 im Team 365 der HEC als Berater für Digitalisierung und Microsoft 365. Neben Herausforderungen wie dem technischen Arbeitsplatz der Zukunft ist er auch in Themen wie der Agilen Transformation und New-Work bei unseren Kund:innen im Einsatz.


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www.hec.de

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