Generative Engine Optimization (GEO)

Veröffentlicht 29. Januar 2026

von Julian Bühler

Von Traffic zu Relevanz: Warum Generative Engine Optimization (GEO) über Wachstum und Marktanteile in der AI-Ökonomie entscheidet

Wie gutes Marketing, gutes SEO und erfolgreiche Generative Engine Optimization (GEO) dasselbe Ziel verfolgen: Relevanz im Entscheidungsprozess.

Management Summary

  • Das Risiko: Suchvolumina steigen, Website-Klicks sinken, AI kuratiert Antworten. Marken, die in der AI nicht stattfinden, verlieren Sichtbarkeit im Entscheidungsprozess.
  • Der Shift: Wir optimieren nicht mehr für Maschinen, die Links sortieren, sondern für Systeme, die Probleme lösen und Empfehlungen aussprechen.
  • Die Steuerung: Klassische SEO-KPIs verlieren Aussagekraft. Relevanz misst sich künftig über Referenzen als Quelle, Sentiment und insbesondere Markennennungen im AI-Antwort-Raum („Share of Model“).
  • Die Konsequenz: Erfolg in der AI-Suche ist kein SEO-Trick, sondern Ergebnis operativer Exzellenz entlang fünf unternehmensweiter Filter.

Die Währung im digitalen Raum wechselt. Wir bewegen uns von einer Ökonomie der Suche mit zehn blauen Links zu einer Ökonomie der Antwort mit einer kuratierten Empfehlung. In dieser Welt entscheidet nicht mehr reine Sichtbarkeit über Marktanteile, sondern vor allem Relevanz und Vertrauen im Entscheidungsprozess. Wer von KI-Systemen nicht als passende Lösung erkannt und empfohlen wird, verliert keine Klicks, sondern strategische Präsenz. Generative Engine Optimization (GEO) wird damit zu einem zentralen Hebel, um in der AI-dominierten Customer Journey überhaupt stattzufinden.

Die These dieses Artikels:
Ganzheitlich gutes Marketing ist gutes SEO.
Gutes SEO ist gutes GEO.
Und nur eine integrierte Betrachtung sichert Relevanz in der AI-dominierten Customer Journey.

1. Der Business Case: Vom KPI zum Operating Model

Bisher galt – vereinfacht – folgende Gleichung:
SEO = Ranking = Traffic

Diese Kette bricht zunehmend. Generative AI (z. B. ChatGPT, Gemini/KI-Modus in Google, Perplexity) fängt Nutzer:innen früher ab, beantwortet Fragen direkt und verlinkt seltener auf Websites. Für das Management bedeutet das: Wir müssen aufhören, Traffic-Quantität zu messen, und anfangen, Antwort-Qualität zu steuern.

KPI-Shift im Überblick

Status Quo (Search Economy)Zukunft (Answer Economy)Business Value
Impressions & RankingsShare of ModelWerden wir als Lösung empfohlen oder nur in den Quellen aufgelistet?
Click-Through-Rate (CTR)Sentiment & ConversionWie spricht die AI über uns – sind wir sicher, günstig, exklusiv, etc.?
Traffic VolumeEcosystem Lock-inWir bekommen weniger Besucher:innen – wie können wir sie besser qualifizieren und binden?

Governance vor Kennzahlen

Entscheidend ist nicht, einfach neue KPIs einzuführen, sondern die Organisation auf die neue Gewichtung auszurichten. Generative Engine Optimization (GEO) ist kein reines Marketing-Projekt, sondern ein Operating-Model-Thema.

Es stellen sich fundamentale Fragen an das C-Level:

  • Wer ist im Unternehmen für Relevanz verantwortlich?
  • Wer steuert aktiv das Sentiment in externen Datenquellen?
  • Wer besitzt die Datenhoheit für die Fütterung von AI-Systemen?

Wir optimieren nicht mehr für einen Crawler, sondern für die Reputation des gesamten Unternehmens – und der Menschen, die es vertreten.

2. Das Framework: Die 5 Filter der AI-Sichtbarkeit

AI-Systeme bewerten Marken nicht isoliert oder zufällig. Sie durchlaufen implizit eine Kette von Prüfungen – von fachlicher Passung bis operativer Verlässlichkeit. Nur wer alle fünf Filter besteht, wird empfohlen. Das ist keine Aufgabe für SEO allein, sondern eine strategische Anforderung an das gesamte C-Level.

Filter 1: Relevanz & Solution Fit

Verantwortung: Strategy & Product

Mit der Eingabe eines Prompts – von verschachtelten Multi-Suchen über komplexe Informationsanfragen bis zur Schilderung konkreter Probleme – beginnt die AI, eine Longlist passender Quellen und Lösungsanbieter zu erstellen. AI-Modelle sind dabei gnadenlos effizient: Wenn ein Angebot nicht exakt auf den Prompt, also das zugrunde liegende Problem, passt, wird es ignoriert. Bei wenig differenzierten Leistungen empfiehlt die AI häufig den günstigsten Anbieter, weil sie Konsumverhalten kennt und auf Angebote mit hoher Conversion-Wahrscheinlichkeit setzt. Hier setzen künftige Monetarisierungsmodelle an (Stichwort: Affiliate statt Klicks).

Das Leistungsversprechen muss prompt-fähig sein: semantisch klar, differenzierend und lösungsorientiert – und dabei konsistent über alle Kanäle und Touchpoints referiert.

C-Level-Frage:
Für welches konkrete Problem soll unsere Marke die Default-Antwort sein – und für welches bewusst nicht?

Filter 2: Personalisierung & Kontext

Verantwortung: Brand & CRM

Im zweiten Schritt überprüft die AI die Positionen der Longlist anhand persönlicher Präferenzen der User. Anbieter und Marken, die bereits positive Spuren im individuellen digitalen Ökosystem hinterlassen haben, werden mit höherer Wahrscheinlichkeit als relevant anerkannt. Diesen Kontext bezieht die AI naheliegend aus bisherigen Chatverläufen und Suchen, im Falle von Google Gemini aber zunehmend auch aus weiteren Google-Produkten wie Gmail, Kalender, YouTube- und Maps-Suchen oder sogar Google Photos.

Google Gemini und der AI Mode in der Google Suche wissen also künftig, dass jemand eine Reise mit einem konkreten Anbieter plant, weil eine Bestätigungsmail im Postfach liegt oder ein Beratungstermin im Kalender gefunden wurde. Generative Engine Optimization (GEO) bedeutet, als Marke Teil dieser persönlichen Infrastruktur zu werden.

C-Level-Frage:
Wie bekommen wir unsere Marke in den Welten unserer Kund:innen verankert – sowohl im Kopf der Menschen als auch in ihren digitalen Diensten?

Filter 3: Markenautorität & Vertrauen

Verantwortung: Communications & Service

Im dritten Schritt validiert die AI die eingegrenzten Lösungsanbieter aus Longlist und persönlichen Präferenzen auf Glaub- und Vertrauenswürdigkeit. AI-Modelle vermeiden Risiko, indem sie Wahrscheinlichkeiten berechnen. Deshalb empfehlen sie bevorzugt Marken und Quellen, die durch Dritte validiert sind.

Externe Signale – von Medienberichten über Social Media bis zu Reviews – sind für die AI keine „Reputation“, sondern harte Validierungsdaten. Ein konsistentes, positives Sentiment erhöht die statistische Wahrscheinlichkeit, als „sichere Antwort“ gewählt zu werden. Negative Signale wirken im Modell dagegen toxisch. Thought Leadership und ein starkes EEAT-Profil („Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness“) wandeln sich damit von Image-Faktoren zu Performance-Treibern.

C-Level-Frage:
Würden wir uns selbst empfehlen, wenn wir unsere Marke ausschließlich aus Sicht externer Quellen, Reviews und Social Media beurteilen müssten?

Filter 4: Crawlbarkeit & Struktur

Verantwortung: UX & Entwicklung

Im vierten Schritt versucht die AI, proprietäre Inhalte und Daten der Marken aus dem „Relevance Set“ technisch zu erfassen. Sie besucht Websites und Schnittstellen, um sowohl harte Fakten wie Preise, Verfügbarkeiten oder Spezifikationen als auch passenden Content für die Antwort zu extrahieren.

Doch Relevanz entfaltet nur Wirkung, wenn Systeme sie auch lesen können. LLMs benötigen keine schönen Interfaces, sondern strukturierte Fakten. Deshalb müssen wir den Begriff der User Experience erweitern: UX für Maschinen. „Agentic Readiness“ bedeutet, dass Inhalte und Daten nicht in Design-Elementen oder hinter Login-Schranken versteckt, sondern über APIs und strukturierte Daten barrierefrei zugänglich sind. Marken, die ihre Daten nicht maschinenlesbar ausspielen, werden von der AI nicht falsch dargestellt – sie werden schlicht nicht berücksichtigt.

C-Level-Frage:
Ist unsere digitale Infrastruktur darauf ausgelegt, dass nicht nur Menschen, sondern auch autonome AI-Agenten unsere Leistungen finden, verstehen und nutzen können?

Filter 5: Expertise & Erfahrung

Verantwortung: Redaktion & Fachbereiche

Im fünften und letzten Schritt entscheidet die AI über die Qualität der Antwort und die Auswahl der Quellen. Generischer Content ist dabei schädlich. Was zählt, ist „Information Gain“: neuer, einzigartiger Erkenntniswert, der über den Trainingsstand des Modells hinausgeht. Gefragt sind tiefes Expert:innenwissen, authentische Autorenschaft und proprietäre Daten – Inhalte, die das Modell zwingen, eine Quelle zu nennen, statt Wissen anonym zu synthetisieren. Generative Engine Optimization (GEO) belohnt keine Lautstärke, sondern Erkenntnisvorsprung.

C-Level-Frage:
Verfügen wir über öffentlich sichtbares Wissen, das für AI-Systeme einen echten Mehrwert gegenüber dem Trainingsstand darstellt, oder reproduzieren wir nur Konsens?

Fazit: AI Visibility durch radikale Interdisziplinarität

Wir müssen uns von der romantischen Vorstellung der Website als reines „digitales Schaufenster“ verabschieden. In der AI-Ökonomie werden unsere Präsenzen zu Datenbanken für Maschinen. Diese Transformation zu „Agentic Readiness“ ist keine Aufgabe, die Marketing allein lösen kann. Sie ist ein organisatorischer Stresstest, der Silos einreißen muss: Die IT liefert die Struktur, das Produkt die Datenhoheit, und die Kommunikation sichert die Deutungshoheit.

GEO erzwingt damit eine neue Allianz im C-Level. Die Investition in diese interdisziplinäre Substanz zahlt sich doppelt aus:

  1. Defensiv (Brand Safety): Wir schützen die Marke vor Halluzinationen, indem wir AI-Modelle proaktiv mit einer unmissverständlichen „Source of Truth“ füttern.
  2. Offensiv (Effizienz): Wir tauschen sinkendes Traffic-Volumen gegen maximale Konversions-Qualität. Wir optimieren nicht mehr für Klicks, sondern für Marge im „Moment of Truth“.

Wer diese abteilungsübergreifende Integration heute scheut, verliert morgen Rankings und faktisch den Marktzugang. Relevanz ist in der AI-Ära kein Marketing-Ergebnis mehr, sondern das Produkt operativer Exzellenz des gesamten Unternehmens.Generative Engine Optimization (GEO)


Julian Bühler ist Business Unit Director von advisor by team neusta und Experte für Commercial Transformation. Als mehrfacher Gründer mit über 15 Jahren Erfahrung in Commercial & Growth Strategy unterstützt er Unternehmen bei Go-to-Market- und Revenue-Architekturen für komplexe Geschäftsmodelle. Er übersetzt technologische Disruption in resiliente Wachstumsstrategien, skalierbare Vertriebsmodelle und eine klare Positionierung in AI-getriebenen Entscheidungsökosystemen.


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Julian Bühler freut sich von dir zu hören: j.buehler@neusta.de.

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