
Veröffentlicht 22. Januar 2026
von Daniel Gehrke
Digitale Barrierefreiheit verbessern: Wie inklusive Gestaltung in digitalen Produkten gelingt
Digitale Produkte sollen für möglichst viele Menschen zugänglich sein – unabhängig von körperlichen, sensorischen oder kognitiven Einschränkungen. Dennoch wird Barrierefreiheit in vielen Projekten erst spät berücksichtigt. Dabei zeigt sich regelmäßig, wie wertvoll es ist, frühzeitig auf zugängliche Gestaltung zu achten. Wer digitale Barrierefreiheit verbessern möchte, schafft damit nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern erhöht auch die Qualität der User Experience insgesamt.
Warum Barrierefreiheit ein fester Bestandteil digitaler Produktentwicklung sein sollte
Digitale Services werden von sehr unterschiedlichen Nutzer:innen verwendet: Menschen mit Sehbeeinträchtigungen, Personen mit motorischen Einschränkungen, Menschen, die mit Screenreadern arbeiten, oder Personen, die in komplexen digitalen Oberflächen schnell den Überblick verlieren. Barrierefreiheit sorgt dafür, dass sie alle dieselben Möglichkeiten haben, digitale Angebote zu nutzen. Gleichzeitig profitieren auch Nutzer:innen ohne Einschränkungen von klaren Strukturen, verständlichen Inhalten und einer robusten technischen Umsetzung. Barrierefreiheit ist deshalb kein Zusatz, sondern ein Qualitätsmerkmal moderner Produkte.
Digitale Barrierefreiheit verbessern – gesetzliche Standards und Anforderungen
Seit Juni 2025 gilt der European Accessibility Act und verpflichtet viele digitale Produkte und Dienstleistungen dazu, definierte Barrierefreiheitsanforderungen einzuhalten. Dazu zählen u. a. E-Commerce-Angebote, digitale Kommunikationsservices, Apps mit Nutzeroberflächen sowie bestimmte Selbstbedienungssysteme.
Das Gesetz gibt einen verbindlichen Rahmen vor. Dennoch geht es im Alltag um weit mehr: Nutzer:innen erwarten digitale Angebote, die intuitiv funktionieren – unabhängig von Einschränkungen oder Geräten.
Wo Unternehmen häufig vor Herausforderungen stehen
In vielen Projekten zeigt sich, dass Barrierefreiheit zwar gewünscht ist, aber an ähnlichen Punkten scheitert:
- Sie wird zu spät eingeplant und muss kurzfristig ergänzt werden.
- Inhalte sind sprachlich oder strukturell nicht ausreichend zugänglich.
- Technische Grundlagen wie semantische HTML-Elemente oder Alternativtexte fehlen.
- Es gibt Unsicherheit, wie Barrierefreiheit konkret geprüft und bewertet werden kann.
Der Aufwand steigt dadurch unnötig. Wird Barrierefreiheit jedoch von Anfang an berücksichtigt, lassen sich viele Stolpersteine vermeiden.
Digitale Barrierefreiheit verbessern – zentrale Bereiche in der Umsetzung
Für barrierefreie digitale Produkte spielen vier Aspekte eine besondere Rolle:
1. Verständliche Struktur und Navigation
Eine klare Informationsarchitektur, logische Überschriftenhierarchien, gut erkennbare Interaktionen und ausreichende Kontraste erleichtern die Orientierung.
2. Technische Grundlage für Assistenzsysteme
Screenreader benötigen sauberen, semantischen Code. Dazu gehören korrekt eingesetzte HTML-Elemente, ARIA-Attribute, konsistente Beschriftungen und aussagekräftige Alternativtexte.
3. Zugängliche Inhalte
Texte müssen verständlich formuliert sein und sinnvoll strukturiert werden. Auch Menschen ohne Einschränkung profitieren von klarer Sprache und sauber aufgebauten digitalen Inhalten.
4. Testen mit Tools und Nutzer:innen
Automatisierte Prüfungen decken typische Fehler auf, ersetzen jedoch nicht das Testen mit realen Nutzer:innen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Erst dadurch entsteht ein realistisches Bild der tatsächlichen Zugänglichkeit.
Warum Zusammenarbeit entscheidend ist
Barrierefreiheit ist eine gemeinsame Aufgabe verschiedener Disziplinen. UX-Design, Entwicklung, Redaktion und Qualitätssicherung bringen jeweils eigene Perspektiven ein. Wenn alle frühzeitig zusammenarbeiten, lassen sich Barrieren leichter vermeiden – und Ergebnisse erzielen, die im Alltag überzeugen.
Welche Vorteile barrierefreie digitale Produkte bringen
Unternehmen, die Barrierefreiheit aktiv angehen, berichten von:
- höherer Zufriedenheit der Nutzer:innen
- verbesserter Reichweite
- reduzierten Supportanfragen
- besserer Sichtbarkeit in Suchmaschinen
- stabileren technischen Grundlagen
- geringeren Folgekosten, da Nachbesserungen entfallen
Barrierefreiheit ist damit ein Gewinn für alle Beteiligten – nicht nur für Menschen mit Einschränkungen.
Warum digitale Barrierefreiheit jetzt an Bedeutung gewinnt
Mit neuen gesetzlichen Vorgaben, steigenden Erwartungen der Nutzer:innen und immer komplexeren digitalen Angeboten rückt die Frage, wie Unternehmen ihre digitale Barrierefreiheit verbessern, zunehmend in den Mittelpunkt. Zugängliche digitale Produkte sind längst kein Randthema mehr, sondern ein zentrales Element moderner, nachhaltiger und nutzerfreundlicher Digitalisierung.
Daniel Gehrke ist ein Routinier in der Softwareentwicklung mit über zwanzig Jahren Erfahrung. Vor mehr als zehn Jahren hat er seine wahre Leidenschaft entdeckt: die Qualitätssicherung. Seitdem engagiert er sich für Qualität und Testing in Softwareprojekten. Als Mentor und Coach steht er Kolleg:innen zur Seite und vermittelt als Trainer sein umfangreiches Wissen. Er unterstützt Teams und Kund:innen darin, Software auf das nächste Qualitätslevel zu heben.
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