Eine Frau arbeitet entspannt mit einem Laptop in einem Sessel vor digitalem Tech-Hintergrund mit Zahnrädern, Globe und Code.

Veröffentlicht 27. März 2026

von Cornelius Stiegler-Duwe

MS Copilot trifft Claude Cowork – Was die neue Kooperation in der Praxis bedeutet

Microsoft geht den nächsten Schritt: In Kooperation mit dem US-amerikanischen KI-Unternehmen Anthropic soll eine Cowork-Funktion in das MS 365-Ökosystem integriert werden – eine Funktion, die man bislang aus Claude Cowork kennt. Was ändert sich damit konkret? Was bedeutet das im Arbeitsalltag, und für wen lohnt sich der Einstieg? Wir haben mit Sven Sieverding gesprochen – Berater bei der HEC GmbH und Experte für MS 365, MS Copilot und Prozessautomatisierung.

Was ist neu?

Cornelius Stiegler-Duwe: Sven, du bist seit Jahren in der Microsoft-Welt unterwegs – mit Expertise in MS 365, Teams, SharePoint, Power Automate und den zugehörigen Werkzeugen zur Aufgabenorganisation. Erste Frage: Was bedeutet Cowork mit Microsoft Copilot – und ist das überhaupt etwas Neues?

Sven Sieverding: Einerseits nein. Das, was mit Claude Cowork heute möglich ist, kennen wir im Grundprinzip bereits: mit einem KI-System interagieren, Fragen diskutieren, auf Wissen zugreifen und Recherchen durchführen.

Was jedoch neu hinzukommt, ist das Ausführen von Funktionen direkt im Dialog. Mails können versendet und Termine geplant werden, die dann unmittelbar im Outlook-Kalender eingetragen werden. Darüber hinaus kann Cowork Aufgaben im Hintergrund selbstständig ausführen – also langlaufende Recherchen und Prozesse abarbeiten.

Was Dokumente betrifft: Es ist zwar bereits heute möglich, die KI zur Dokumentenerstellung zu nutzen und das Ergebnis aus dem Chat herunterzuladen. Das Neue an Cowork ist, dass all das in einem gemeinsamen Arbeitsbereich gebündelt wird. Darin liegt auch der Kern des Begriffs: Das Ziel ist tatsächlich das gemeinsame Arbeiten.

Cornelius Stiegler-Duwe: Man bekommt also einen digitalen Kollegen an die Seite – einen „Agenten“, der selbst Aktionen durchführen kann?

Sven Sieverding: Genau. Konkret bedeutet das: Es lässt sich ein thematischer Arbeitsbereich anlegen, in dem man mit der KI zu einem bestimmten Thema interagiert – und gleichzeitig Dateien ablegen kann, die für dieses Thema relevant sind. Die KI kann auf diesen Daten im Hintergrund arbeiten.

Erstellt die KI neue Dateien, legt sie diese ebenfalls in diesem Bereich ab. Es ist damit nicht mehr nötig, bei mehreren Arbeitsschritten eine Datei herunterzuladen und einen neuen Chat zu beginnen. Stattdessen kann im selben Arbeitsbereich – immer mit Bezug auf die vorhandenen Dateien – kontinuierlich weitergearbeitet werden.

Das schafft einen geschlossenen Arbeitskreislauf und eröffnet die Möglichkeit für echte Zusammenarbeit mit der KI. Es ist damit vor allem ein prozessuales Thema.

Cornelius Stiegler-Duwe: Also ähnlich wie ein Teams-Kanal – mit einem gemeinsamen Chat, einer Dateiablage (SharePoint) und weiteren Funktionen – nur eben mit der KI als Gesprächs- und Arbeitspartner?

Sven Sieverding: Ja, das ist eine treffende Analogie. Es geht nicht mehr nur darum, mit der KI zu sprechen – sondern gemeinsam an Themen und Aufgaben zu arbeiten.

Zeitplan und Verfügbarkeit

Cornelius Stiegler-Duwe: Wann ist damit zu rechnen?

Sven Sieverding: Microsoft Cowork ist angekündigt und soll im Rahmen des Frontier-Programms Ende März erstmals für einen größeren Nutzerkreis verfügbar werden – allerdings nicht sofort für alle.

Datenschutz in Europa

Cornelius Stiegler-Duwe: In Europa gab es zuletzt eine Debatte um KI-Systeme mit weitreichendem Zugriff auf Nutzerkonten – Systeme, die zwar handlungsfähig sind, aber Datenschutzfragen aufwerfen. Ist MS Cowork die Antwort darauf: eine KI, die tatsächlich handelt – aber im gesicherten Rahmen einer Enterprise-Plattform, die DSGVO und Datenschutz berücksichtigt?

Sven Sieverding: Im Kern ja. Es gibt allerdings aktuell noch eine Einschränkung: Es besteht noch keine Garantie, dass im Hintergrund ausschließlich KI-Modelle verwendet werden, die auf Microsoft Azure in Europa gehostet sind. In der ersten Phase könnten Anthropic-Modelle noch direkt auf US-Servern angesprochen werden.

Wir befinden uns aber noch vor dem ersten Roll-out-Schritt – dem sogenannten „Frontier“-Rollout für Early Adopter und Integratoren. Aus bisheriger Erfahrung lässt sich sagen: Zum Marktstart in Europa werden in der Regel auch in Europa gehostete Modelle bereitstehen. Microsoft ist sich der Bedenken seiner europäischen Kunden bewusst.

Cornelius Stiegler-Duwe: Ihr seid mit an vorderster Front bei diesen Entwicklungen. War diese Funktion für euch absehbar?

Sven Sieverding: Eindeutig ja. Die konkrete Form haben wir zunächst nur aus Gerüchten gekannt – wie so oft in der Tech-Branche. Erwartet haben wir sie jedoch, weil sie schlicht das Puzzleteil darstellt, das in unseren Augen noch gefehlt hat.

Beim MS Copilot gab es bislang keine Workspaces. Es war möglich zu chatten und Agenten einzusetzen – aber nicht zu sagen: „Ich arbeite jetzt gemeinsam mit dir an diesem Thema.“ Copilot Notebooks bieten zwar eine Notizfunktion, jedoch keine dateibasierte Zusammenarbeit.

Das ändert sich jetzt. Hinzu kommen weitere Funktionen wie das direkte Erstellen und Versenden von E-Mails sowie die Planung von Terminen – ein konkretes Upgrade für den Arbeitsalltag.

Integration und Vorteile

Cornelius Stiegler-Duwe: Also weniger Revolution, mehr Integration?

Sven Sieverding: Genau. Der Wechsel zwischen den Anwendungen entfällt. Bisher war es so: Man bittet Copilot, eine Besprechung mit einem Kollegen zu planen – erhält einen Agendaentwurf zurück – muss dann aber Outlook öffnen und den Termin manuell anlegen. Künftig kann Cowork direkt eine kontextbezogene Mini-Anwendung anzeigen, in der der Termin unmittelbar erstellt wird.

Cornelius Stiegler-Duwe: Das ist ein Trend, den wir derzeit an vielen Stellen beobachten: Nicht jede Funktion muss als Chat-Interface umgesetzt werden. Nicht alle Aufgaben lassen sich sprachlich effizienter lösen als über eine klassische Oberfläche mit Klickfunktionen.

Sven Sieverding: Exakt. Die Integration der verschiedenen MS 365-Programme ist hier ein echter Mehrwert.

KI vs. klassische Automatisierung

Cornelius Stiegler-Duwe: Eine abschließende Frage: Mit Power Automate, Power Apps, SharePoint und Automatisierungstools wie n8n stehen bereits leistungsfähige Werkzeuge zur Verfügung. Wo macht MS Copilot mit Cowork dann einen echten Unterschied – wo werden Dinge tatsächlich besser, Arbeitsaufwand reduziert oder neue Möglichkeiten erschlossen?

Sven Sieverding: Die Abgrenzung beginnt bei einer Grundsatzfrage: Wo ist ein KI-gesteuerter Workflow sinnvoll – und wo leistet eine klassische Automatisierung mehr?

Wird Power Automate genutzt, um beim Eingang einer E-Mail in einem bestimmten Postfach definierte Bedingungen zu prüfen und Folgeaktionen auszuführen, arbeitet das System deterministisch: gleicher Input, gleicher Output. Ein KI-System hingegen bietet Flexibilität – es kann unterschiedliche Entscheidungen treffen und ist tolerant gegenüber sprachlicher Unschärfe. Ein Schreibfehler, der bei einer regelbasierten Suche die gesamte Folgeaktion verhindert, wird von einem Sprachmodell in der Regel korrekt interpretiert. Lässt sich festlegen, dass verschiedene Formulierungen mit hoher Wahrscheinlichkeit dieselbe Bedeutung tragen, reagiert das System entsprechend.

Was Cowork darüber hinaus neu einführt, ist die Art, wie Workflows in einen kontinuierlichen Interaktionsfluss eingebettet werden: Recherchen anstoßen, Termine direkt eintragen, E-Mails vorformulieren und versenden, Dateien erstellen, ablegen und erneut referenzieren – ohne den exakten Begriff kennen zu müssen, den ein Kollege vor einem Jahr verwendet hat. Die KI sucht im Unternehmens-Wissensspeicher nach passenden Inhalten und schlägt diese vor. Gerade bei den oft individuell gewachsenen Ablagestrukturen in größeren Unternehmen kann das einen spürbaren Unterschied machen.

Die größte Chance sehe ich persönlich darin, einen echten Sparringspartner zu gewinnen. Angenommen, ich arbeite an einem komplexen Thema, das Recherche, eine Präsentation und einen Bericht erfordert – dann kann ich in einem Cowork-Workspace mit der KI daran arbeiten, Teilaufgaben abgeben, Zwischenergebnisse speichern und mich gleichzeitig bei der inhaltlichen und gestalterischen Ausarbeitung unterstützen lassen. Da es nun eine persistente Dateiablage gibt, sind Änderungen und Anpassungen jederzeit möglich.

Cornelius Stiegler-Duwe: Und man kann nahtloser auf alles zugreifen, was im Microsoft 365-Universum des eigenen Unternehmens bereits vorhanden ist.

Ausblick: Kosten und Lizenzierung

Offen bleibt die Frage, was MS Copilot mit Cowork kosten wird – und für wen sich der Einstieg wirklich rechnet. Das hängt eng mit der bestehenden Lizenzlandschaft des jeweiligen Unternehmens zusammen. Die ersten Tests stehen bevor; die Ergebnisse folgen in Kürze.


Deine Experten:

Sven Sieverding ist Berater bei der HEC GmbH, einem Unternehmen der team neusta Gruppe. Er begleitet Organisationen bei der Einführung und Optimierung von Microsoft 365, MS Teams, SharePoint und Power Automate sowie bei der Integration KI-gestützter Workflows in den Unternehmensalltag.

Cornelius Stiegler-Duwe ist als Head of AI Applications die Brücke zwischen der Expertise unserer KI-Teams und den Anwendungsszenarien unserer Kund:innen. Als erfahrener Berater, Stratege und Product Owner liegt sein Fokus auf der Analyse der Use Cases und der Modellierung von passgenauen Lösungen, die vor allem eins mitbringen: konkreten Impact.


Du willst mehr zu dem Thema erfahren?

Sven Sieverding und das MS 365 Team freuen sich, von dir zu hören: s.sieverding@hec.de

Zu allen weiteren KI-Themen kannst du Dich an Cornelius Stiegler-Duwe wenden: ai@neusta.de

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