Ein weißer KI-Roboter mit Symbolen für erledigte Aufgaben und steigende Werte, daneben ein nachdenklicher Mann mit Warnsymbol und dem Hinweis „Due two days ago“.

Veröffentlicht 30. Oktober 2026

von Andre Conin

Warum KI-Transformation vor allem eine Frage der Organisation ist – Learnings der Gothenburg Tech Week 2026

Eine Anwendung an einem Tag entwickeln, aber vier Wochen brauchen, um darüber zu entscheiden: Diese Frage ist uns von der Gothenburg Tech Week 2026 besonders im Kopf geblieben. Sie beschreibt ziemlich genau, wo viele Unternehmen bei der KI-Transformation aktuell stehen. Die Technologie wird immer schneller, die Organisation dahinter oft nicht.

Zwei Vorträge in Göteborg haben dieses Spannungsfeld aus unterschiedlichen Richtungen beleuchtet. Der eine zeigte, wie ein Unternehmen seine Mitarbeitenden systematisch auf dem Weg in eine KI-geprägte Arbeitswelt mitnimmt. Der andere, wie radikal sich Arbeit verändert, wenn KI-Agenten große Teile der Softwareentwicklung übernehmen. Zusammen ergeben sie eine Erkenntnis, die wir auch aus unserer eigenen Arbeit kennen: Ob KI wirkt, entscheidet sich weniger an der Technik als an Menschen, Wissen und Zusammenarbeit.

Recorded Future: KI einzuführen ist einfach, Menschen mitzunehmen nicht

Den ersten Impuls lieferte Marie Brattberg von Recorded Future. Das international tätige Unternehmen ist auf Cybersecurity und Threat Intelligence spezialisiert und gehört seit 2024 zu Mastercard. Ihre Kernbotschaft: KI-Transformation ist kein reines Technologieprojekt, sondern vor allem eine Veränderung der Arbeitskultur. Leistungsfähige Tools bereitzustellen, heißt noch lange nicht, dass Menschen sie auch sinnvoll einsetzen.

Recorded Future hat deshalb ein zwölfwöchiges Programm aufgesetzt, um KI-Kompetenz und Akzeptanz in der Organisation gezielt aufzubauen. Die Ergebnisse laut der vorgestellten Selbsteinschätzung der Teilnehmenden:

  • Der Anteil fortgeschrittener KI-Nutzer:innen stieg von 35 auf 68 Prozent.
  • Der Anteil der Einsteiger:innen sank von 11 auf 0 Prozent.
  • Rund 80 Prozent bewerteten die Trainings als hilfreich.

Spannend ist vor allem, woran das lag. Nicht an einem neuen Tool, sondern an gemeinsamem Lernen, praktischer Erfahrung, gegenseitiger Unterstützung und einer Kultur, in der Unsicherheiten und Fehler offen angesprochen werden konnten.

Für Unternehmen heißt das: Ein KI-Rollout ohne Begleitung verteilt Werkzeuge, aber keine Kompetenz. Menschen müssen nicht nur verstehen, wie KI funktioniert. Sie müssen selbst erleben, wie KI ihre eigene Arbeit verbessert. Erst dann wird aus Skepsis Neugier und aus Neugier Routine. KI ersetzt dabei nicht die Fähigkeiten der Menschen, sie erweitert sie.

Stær: Wenn nicht mehr die Entwicklung der Engpass ist

Eine ganz andere Perspektive brachte Jan Erik Solem ein, CEO und Mitgründer des schwedischen Unternehmens Stær. Solem ist ein erfahrener Tech-Gründer: Sein Start-up Polar Rose wurde von Apple übernommen, Mapillary von Meta. Mit Stær setzt er konsequent auf KI-Agenten und eine neue Form der Softwareentwicklung.

Die Zahlen aus dem ersten Unternehmensjahr: 25.000 Commits, 340 Apps, 9.400 Wissenseinträge. KI-Agenten übernehmen dort bereits zahlreiche Entwicklungsaufgaben, erstellen Dokumentationen, testen Anwendungen und beheben Fehler.

Die spannendste Aussage des Vortrags hatte aber nichts mit Technik zu tun. Sinngemäß fragte Solem: Wenn wir eine Anwendung innerhalb eines Tages entwickeln können, warum brauchen wir dann vier Wochen, um darüber zu entscheiden?

Damit verschiebt sich der Engpass. Nicht mehr die Entwicklungsgeschwindigkeit bremst, sondern die Organisation: Entscheidungswege, Abstimmungsschleifen, Freigaben und eingeübte Gewohnheiten. Das heißt nicht, dass Unternehmen künftig unüberlegt handeln sollten. Wohl aber, dass sie prüfen müssen, ob ihre Zusammenarbeit noch zu dem passt, was technisch längst möglich ist. Welche Muster der Zusammenarbeit zwischen Menschen und KI-Agenten sich dabei in der Softwareentwicklung gerade herausbilden, haben wir in unserem Beitrag Vom Copiloten zum Teamkollegen beschrieben.

Wissen wird zum eigentlichen Wettbewerbsvorteil

Eine weitere These von Solem war bewusst provokant: „The current instantiation of your product is irrelevant.“ Frei übersetzt: Die aktuelle technische Ausprägung eines Produkts ist nicht das, worauf es ankommt.

Dahinter steckt ein Gedanke, den wir für zentral halten. Wenn Software immer schneller und günstiger entsteht, verliert die konkrete Umsetzung als Alleinstellungsmerkmal an Gewicht. Was bleibt, sind Kundenverständnis, Erfahrung, Fachwissen und die Fähigkeit, daraus die richtigen Lösungen abzuleiten. Je stärker die Umsetzung automatisiert wird, desto wichtiger wird, was davor passiert: klare Anforderungen und gut aufbereitetes Wissen. Genau das ist auch der Kern von Spec-Driven Development.

Für Unternehmen mit langer Projekt- und Branchenerfahrung ist das eine große Chance. Allerdings nur, wenn dieses Wissen nicht in einzelnen Köpfen, Postfächern und abgeschlossenen Projektordnern verschwindet. Wissen entfaltet seinen Wert erst, wenn es geteilt, gefunden und weiterverwendet werden kann, von Menschen und zunehmend auch von KI-Systemen.

Genau hier sehen wir auch für team neusta eine große Chance. Wir verfügen über viel Wissen aus Projekten, Branchen und langjährigen Kundenbeziehungen. Seinen vollen Wert entfaltet es aber erst, wenn wir es teilen und gemeinsam nutzen. Daran arbeiten wir bereits: Mit unserem Knowledge Hub haben Kolleg:innen aus dem DK AI die Grundlagen und die Infrastruktur geschaffen, um Wissen zentral zugänglich, teilbar und perspektivisch auch für KI-Anwendungen nutzbar zu machen.

Das Team im DK AI entwickelt damit nicht nur Lösungen für aktuelle Anforderungen. Es schafft Grundlagen, die die gesamte Organisation voranbringen, und stärkt so unsere Innovationsfähigkeit und technologische Souveränität. Für uns ist das ein gutes Beispiel dafür, was entsteht, wenn Menschen mutig über den Tellerrand hinausdenken.

Was das für Unternehmen bedeutet

Auf den ersten Blick stehen die beiden Vorträge für unterschiedliche Welten: hier ein Enablement-Programm in einem etablierten Unternehmen, dort ein KI-natives Start-up. Zusammen zeigen sie, dass beides untrennbar zusammengehört. Die besten KI-Tools bleiben wirkungslos ohne Vertrauen, Lernbereitschaft und eine offene Kultur. Und starke Teams verschenken Potenzial, wenn sie ihr Wissen nicht teilen und ihre Zusammenarbeit nicht weiterentwickeln.

Wir sehen darin ein bekanntes Muster. Schon bei der Einführung agiler Methoden haben viele Organisationen das Werkzeug für die Lösung gehalten, statt ihre Entscheidungs- und Arbeitsstrukturen anzupassen. Warum sich dieser Fehler bei KI nicht wiederholen sollte, beschreiben wir in Von Agile zu Agentic.

Deshalb setzen wir im DK AI auf einen ganzheitlichen Ansatz. Mit dem Knowledge Hub, den KI-Bausteinen und dem KI-Wirkungskreislauf schaffen wir technische und organisatorische Voraussetzungen. Der eigentliche Erfolg entsteht aber erst, wenn diese Möglichkeiten im Arbeitsalltag ankommen, bei unseren Kolleg:innen genauso wie bei unseren Kunden. Unser Leitsatz dafür: Human first. AI amplified. Nicht Technologie um ihrer selbst willen, sondern Technologie, die Menschen stärkt und Zusammenarbeit verbessert.

Aus Göteborg nehmen wir drei Fragen mit, die wir uns bei team neusta selbst stellen und die sich jede Organisation stellen sollte:

  • Wie profitieren wirklich alle von KI? Nicht nur diejenigen, die sich ohnehin täglich damit beschäftigen, sondern auch die Kolleg:innen, die bisher abwarten.
  • Wie wird gemeinsames Wissen zur Stärke? Erfahrungen aus Projekten müssen so dokumentiert und zugänglich sein, dass andere Teams sie wirklich nutzen können.
  • Wie muss sich Zusammenarbeit verändern, wenn KI vieles schneller erledigt? Dann reicht es nicht, Werkzeuge auszutauschen. Auch Entscheidungen, Verantwortlichkeiten und Arbeitsweisen gehören auf den Prüfstand.

Ein strukturierter Einstieg, etwa über einen AI Design Sprint, hilft dabei, diese Fragen an konkreten Anwendungsfällen zu beantworten, statt sie im Grundsätzlichen zu diskutieren. Wer noch einen Schritt weiter gehen will, kann eine Idee mit unserem AI Fast Track in zehn Tagen zu einem funktionierenden Prototyp bringen. So entsteht schnell eine belastbare Grundlage für die nächste Entscheidung, und genau dort liegt nach Solems Beobachtung ja der eigentliche Engpass.

Fazit: Zehnmal schneller lernen

Beide Vorträge haben keine perfekte KI-Zukunft versprochen. Sie haben gezeigt, wie viel Veränderung schon heute möglich ist und wo sie in der Praxis hängen bleibt. Unsere Haltung: Die KI-Transformation gelingt nicht durch mehr Tools, sondern durch Organisationen, die genauso schnell lernen, wie sich ihre Technologie entwickelt.

Für uns bei team neusta haben die Vorträge bestätigt, dass wir mit unseren Initiativen im DK AI in die richtige Richtung gehen. Jetzt kommt es darauf an, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen: mit Neugier, Offenheit, Vertrauen und der Bereitschaft, eingeübte Denkweisen zu hinterfragen. Denn vielleicht liegt die größte Chance durch KI gar nicht darin, zehnmal schneller Software zu entwickeln. Sondern darin, gemeinsam zehnmal schneller zu lernen.


Unser Ansatz

Wir begleiten Unternehmen dabei, KI wirksam in ihre Organisation zu bringen: von der Analyse bestehender Prozesse und Entscheidungswege über Enablement-Formate, die Mitarbeitende im Umgang mit KI befähigen, bis zum Aufbau von Wissensstrukturen, die Menschen und KI-Systeme gleichermaßen nutzen können. Ziel ist eine Organisation, die neue Technologie nicht nur einführt, sondern mit ihr lernt.

Mehr erfahren

Wer sich mit der KI-Transformation im eigenen Unternehmen beschäftigt, findet bei team neusta passende Ansprechpartner:innen.

Mehr zu den KI-Leistungen von team neusta: KI-Strategie & Umsetzung | team neusta

Kontakt zum KI-Team von team neusta: ai@neusta.de

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